Miteinander – Füreinander
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11.02.2026
Es ist Winter 2023 und es regnet wochenlang fast unaufhörlich. Dann kommt es auch noch zu Starkregen und Hochwasser mit lokalen Schwerpunkten auch in Teilen Norddeutschlands, das bis in den Januar hinein anhält. Erol Kurt lebt mit seiner Frau Aylin (Namen von der Redaktion geändert), seinen Eltern und den vier Kindern im norddeutschen Raum auf flacher, ländlicher Ebene. Sein jüngster Sohn ist noch kein Jahr alt, sein Vater schwer krank. Und der Keller des Hauses ist nicht trocken zu kriegen. Der Fahrdienstleiter ist verzweifelt.
„Es war schrecklich“, erinnert sich der heute 38-Jährige. „Das Wasser kam einfach immer wieder nach. Das Grundwasser drang durch die Außenwände in den Keller ein. Die Versicherung hat den Schaden nicht abgedeckt, und alle Firmen, die ich angesprochen habe, konnten wir uns nicht leisten. Das ist wahnsinnig teuer. Vom Trocknen einmal abgesehen, mussten Sickerschächte und Drainage verlegt werden, damit das Grundwasser bei künftigen Ereignissen nicht mehr eindringen kann. Wir waren erst sieben Jahre zuvor in das Haus gezogen, damit meine Eltern auch bei uns leben konnten. Unsere Wohnung war einfach zu klein. Meinem Vater ging es damals schon nicht gut.“
Nach einigen Herzinfarkten war der Vater bettlägerig und pflegebedürftig. Durch das geräumigere Haus hatte die Familie die Möglichkeit, ihn daheim zu versorgen. Neben der psychischen Belastung war die finanzielle Situation also ohnehin nicht rosig. Und als dann das Wasser kam, ist das Fass sprichwörtlich übergelaufen. „Ich habe mir den Wecker noch früher gestellt, damit ich vor Dienstbeginn pumpen konnte“, sagt Erol Kurt. „Das Ganze hat ewig gedauert“, ergänzt Aylin Kurt. „Natürlich habe ich geholfen, wo es ging, aber mit der Pflege meines Schwiegervaters und unserem kleinen Sohn hatte das natürlich seine Grenzen. Die damals 11-jährigen Zwillinge und unsere 9-Jährige brauchten ja schließlich auch einen einigermaßen geregelten Ablauf.“
– Melden Sie sich bei uns, wenn Sie Unterstützung brauchen! Telefonisch unter 0800 0600 0800 oder per E-Mail: beratung@stiftungsfamilie.de –Und nicht nur die Nässe war das Problem: Der Zugang zum Keller befindet sich in der Küche und es hat sich schnell Schimmel ausgebreitet. „Das ganze Haus hat gestunken“, so Erol Kurt. „Das hat man in jedem Winkel gerochen. Wir hatten auch große Sorge wegen des Schimmels. Das war ja gesundheitsgefährdend für uns alle! Besondere Angst hatten wir um unseren Kleinsten, der war ja noch kein Jahr alt. Und natürlich wegen meines Vaters, der mittlerweile leider gestorben ist“, vertraut uns der 38-Jährige an. „Vor etwa eineinhalb Jahren kam auch noch Lungenkrebs dazu“, erzählt Aylin Kurt. „Es ging dann schnell. Wir sind immer noch sehr traurig. Wenigstens konnten wir ihn bis zum Schluss bei uns haben.“
Die Familie hat einen großen Stellenwert bei den Kurts. Das war auch der entscheidende Grund, warum Erol Kurt zur Deutschen Bahn gekommen ist. „Unser damaliger Nachbar hat dort gearbeitet und mir davon erzählt, dass die Bahn ein guter Arbeitgeber ist“, so der Fahrdienstleiter. „In meinem alten Job hatte ich keine Aufstiegschancen. Also bin ich als Quereinsteiger gestartet, das hat alles gleich geklappt. Natürlich musste ich viel lernen. Aber jetzt bin ich seit einigen Jahren schon Fahrdienstleiter und mache das wirklich gerne. Wir haben dann das Haus in Norddeutschland gefunden und uns dazu entschlossen, hierher zu ziehen. Ich bin dann vor sieben Jahren schon gekommen, meine Frau und die Kinder sind zwei Jahre später nachgezogen. Und dann haben wir meine Eltern geholt, und meine Schwester hat auch bis vor Kurzem bei uns gewohnt.“
Den Kontakt zur Stiftungsfamilie hatte Familie Kurt erstmals vor einigen Jahren. „Wir haben in der Sozialberatung angerufen, um uns wegen der Pflegesituation meines Schwiegervaters zu erkundigen“, erinnert sich Aylin Kurt. „Mein Mann hatte durch seinen Job von den Stiftungen erfahren und ist gleich Mitglied geworden. Die Pflegeberatung hat uns sehr geholfen und wir haben den Kontakt gehalten.“ Dass es auch finanzielle Unterstützung geben könnte, wussten sie damals nicht. „Als dann das Wasser kam, war es eher ein Zufall, dass wir davon erfahren haben“, ergänzt der Fahrdienstleiter. „Eine Sozialarbeiterin von der Stiftungsfamilie hat uns darauf aufmerksam gemacht. Wir haben dann einen Zuschuss zu den Kosten gekriegt. Alleine hätten wir das trotz des Kredits, den wir aufgenommen hatten, niemals stemmen können. Damit war erst einmal die größte Last weg.“
Familie Kurt hätte das ohnehin kreditbelastete Haus verkaufen müssen. „Das wäre gar nicht das Schlimmste gewesen“, so die heute 40-jährige Aylin Kurt. „Am Haus selbst hängen wir gar nicht so sehr. Aber wir hätten Erols Vater vermutlich nicht mehr zuhause pflegen können, weil wir nicht genug Platz gehabt hätten. Uns ist sehr wichtig, dass wir das tun konnten. Es war für uns wie ein Zeichen, als wir die Hilfe über die Stiftungsfamilie erhalten haben. Aus vollem Herzen Danke dafür! Sehr gerne geben wir diese Hilfe doppelt und dreifach zurück an alle, die in Notsituationen geraten. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir Stiftungsfamilienmitglieder sind.“