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22.06.2026
Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, die den Unterschied macht: Eine Frage, die man endlich stellt oder ein Satz auf Deutsch, den man zum ersten Mal ausspricht. Dass man Positives im Leben anderer Menschen bewirken kann, erlebt Julia Thom durch ihr Engagement bei SUKI. Die Nürnbergerin arbeitet bei DB InfraGO als Koordinatorin Hochschulmanagement für die Region Süd. In ihrer Freizeit engagiert sie sich im Tandem und im Sprachtreff des SUKI-Lotsenprogramms. Dort hilft sie beim Deutschüben, hört zu und macht anderen Mut. Im Interview erzählt sie, was Sprache mit Ankommen zu tun hat, warum Fehler beim Lernen dazugehören und weshalb der erste Schritt ins Engagement oft einfacher ist, als man denkt.
Liebe Julia, was bedeutet es für dich persönlich, Menschen beim Ankommen in Deutschland zu unterstützen?
Für mich ist das Tandemprogramm ein Engagement mit Sinn. Ich kann einen aktiven Beitrag dazu leisten, anderen Menschen zu helfen und ihnen ihren neuen Alltag in Deutschland zu erleichtern.
Wie gestaltet ihr eure gemeinsamen Treffen? Sprecht ihr über Alltagsthemen, übt ihr gezielt Deutsch oder ergibt sich vieles spontan?
Wir sprechen einmal wöchentlich online und treffen uns ab und zu auch vor Ort in München, wo mein Tandempartner wohnt. In unseren Gesprächen geht es um verschiedenste Themen – von Grammatik wie bestimmten Zeitformen über deutsche Vokabeln bis hin zu Alltagsthemen wie dem Arbeitsalltag bei der DB, Behördengängen und Freizeitbeschäftigungen.
Was ist dir wichtig beim gemeinsamen Deutschüben?
Mir ist es wichtig, dass sich beide Seiten wohlfühlen und dass kein Druck entsteht, alles perfekt zu machen. Entscheidend ist, das Sprechen an sich zu üben – das Thema ist dabei sekundär. Außerdem kann mir mein Tandempartner jederzeit Fragen zu Grammatik, Vokabeln oder dem Leben in Deutschland stellen. Gerade diese Atmosphäre macht das Lotsenprogramm so wertvoll. Deutschlernen braucht Übung – aber es braucht auch Vertrauen. Denn viele Menschen wissen eigentlich schon viel, trauen sich aber nicht, einfach loszusprechen.
Viele Menschen haben Angst, beim Sprechen Fehler zu machen. Wie gehst du damit in euren Treffen um?
Ich motiviere meinen Tandempartner, viel zu sprechen, und sage ihm auch regelmäßig, dass er große Fortschritte macht. Mein Tandempartner ist sich manchmal unsicher, ob ein Satz richtig ist, und bittet mich dann, ihn zu korrigieren, was ich auf seinen Wunsch hin sehr gerne mache. Ich korrigiere aber nicht automatisch alle kleinen Versprecher oder Fehler, sondern nur wichtige, sich wiederholende Wörter und wenn er mich darum bittet. Außerdem: Üben, üben, üben. Am besten nutzt man jede Gelegenheit zum Sprechen. Dafür bietet das Lotsenprogramm einen sicheren Raum. Daneben hilft es auch, spannende Inhalte auf Deutsch zu hören, zu lesen oder anzusehen – je nachdem, welche Themen oder Formate einen am meisten ansprechen.
Du engagierst dich auch im Bereich der Sprachtreffs von SUKI. Was macht diese Treffen besonders?
Bei unserem Montagstreff können alle flexibel vorbeikommen und wir haben keinen Druck, zu sprechen, sondern das Angebot dazu. Alle Teilnehmenden können sich zu Wort melden, wenn sie sich bereit dafür fühlen. Zudem ist unsere Gruppe sehr vielfältig mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Berufen. So bekommen alle viele Einblicke und wir haben spannende und abwechslungsreiche Themen, sodass alle aus den Treffs etwas für sich mitnehmen können.
Was nimmst du persönlich aus deinem Engagement mit – und hat sich dabei auch dein Blick auf Deutschland und die deutsche Sprache verändert?
Ich konnte eine tolle neue Bekanntschaft schließen. Auch der Perspektivwechsel ist für mich sehr wertvoll. So verstehe ich die Sichtweise auf Deutschland und die deutsche Sprache von außen nun noch besser und kann mich eher in Zugezogene hineinversetzen. Zudem lerne ich viel über andere Kulturen und Sprachen, was ich sehr bereichernd finde.
Du arbeitest beruflich in der Koordination Hochschulmanagement bei DB InfraGO und engagierst dich gleichzeitig als Lotsin bei SUKI. Wie verbinden sich diese beiden Perspektiven für dich?
Das Engagement bei SUKI ist für mich die optimale Ergänzung zu meiner Tätigkeit im Hochschulmanagement. Denn dort sammle ich viele wertvolle Erfahrungen zur Integration internationaler Kolleginnen und Kollegen in unseren Konzern sowie zu ihren Herausforderungen im deutschen Arbeitsalltag. Diese helfen mir wiederum im Hochschulmanagement, die Perspektive potenzieller Nachwuchskräfte besser zu verstehen.
Gemeinsam mit SUKI entwickelt das Hochschulmanagement der DB InfraGO Region Süd deshalb ein Deutschlernangebot für WPA und Projektmitarbeitende als Train-the-Trainer-Programm. Es geht darum, Sprache nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil von Zusammenarbeit, Orientierung und Zugehörigkeit. Was war aus deiner Sicht der Impuls für dieses Programm?
Als Team Hochschulmanagement der DB InfraGO Region Süd bieten wir unseren Werkstudierenden, Praktikantinnen und Praktikanten ein abwechslungsreiches Programm aus Vorträgen und Exkursionen, um einen Blick über den Tellerrand innerhalb der DB zu ermöglichen. Außerdem unterstützen wir die Studierenden bei Fragen und Herausforderungen im Arbeitsalltag. Dabei geht es oft auch um das Thema Deutschlernen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, dafür gezielt ein ergänzendes Angebot zu schaffen. So können wir unsere Nachwuchskräfte beim Ankommen bei der DB noch stärker unterstützen.
Welche Bedarfe nimmst du bei neuen Kolleginnen und Kollegen wahr, die noch geringe Deutschkenntnisse haben – fachlich, sprachlich oder auch im Ankommen im Arbeitsalltag?
Ich nehme vor allem die komplexen Fachbegriffe bei der DB und die deutsche Sprache generell als Herausforderung für internationale Mitarbeitende wahr. Daher möchten wir in diesem Bereich ein unterstützendes Angebot schaffen.
Das geplante Programm soll ein Tandemprogramm sowie eine Veranstaltungsreihe mit Fokus auf Sprache und Kultur enthalten. Was ist dir an dieser Kombination besonders wichtig?
Während die Veranstaltungsreihe viel Input zur DB-Fachsprache sowie der deutschen Sprache geben wird, liegt der Fokus im Tandemprogramm auf dem individuellen Austausch. Es bietet zudem die Möglichkeit, sich auf fachlicher Ebene mit Kolleginnen und Kollegen aus benachbarten Abteilungen auszutauschen und dabei auch konkret in Themen und Fachgebiete einzusteigen.
Woran würdest du merken, dass das Programm erfolgreich ist?
Wir wünschen uns für das Programm, dass möglichst viele Studierende die Angebote wahrnehmen und sich dafür anmelden. Außerdem würden wir uns freuen, wenn die Angebote gut ankommen und wir positive Rückmeldungen erhalten. Und letztlich merken wir auch im Austausch mit unseren Studierenden, inwiefern das Programm Anklang findet und Fortschritte in der deutschen Sprache ermöglicht.
Was würdest du Menschen sagen, die überlegen, sich bei SUKI freiwillig zu engagieren, aber noch unsicher sind?
Es klingt vielleicht banal, aber einfach anfangen. Wenn sich jemand überlegt, sich zu engagieren, dann ist der erste Schritt schon getan, denn man möchte sich einbringen. Am besten macht man sich im Vorfeld nicht allzu viele Gedanken. Wichtig ist es, vorher zu prüfen, ob man auch regelmäßig ausreichend zeitliche Kapazitäten für das Lotsenprogramm hat. Alles andere kommt dann mit der Zeit.
Zum Abschluss: Wenn du dein Engagement in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?
Motiviert, bereichernd und kontinuierlich.
Vielen Dank für das Gespräch, die Einblicke und dein Engagement, Julia. Wir freuen uns, dass du dabei bist!
Sie interessieren sich für ein Engagement in unserem Lotsenprogramm oder möchten mehr über SUKI erfahren? Weitere Informationen gibt es hier.