Miteinander – Füreinander
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15.06.2026
Claudia Huber* pflegt ihre Mutter, die allein in Süddeutschland lebt. Eine vaskuläre Demenz nimmt der 85-Jährigen zunehmend das Gedächtnis. Auch wenn der Alltag größtenteils gut funktioniert, kann sie beispielsweise Namen bekannter Menschen nicht immer zuordnen. Geld und wichtige Dokumente sind auch schon verloren gegangen. Pflegedienste könnten helfen, sind vor Ort aber schwer zu bekommen, kostenintensiv und von der Mutter nicht erwünscht. Für die Hilfe im Alltag lebt Claudia Huber zu weit weg und verbringt daher häufig mehrere Tage bei ihrer Mutter. Wir haben mit der 56-jährigen DB-Mitarbeiterin über die Situation gesprochen.
Wir telefonieren mit Claudia Huber, die sich zwischen zwei beruflichen Terminen Zeit genommen hat. Auf die Stiftungsfamilie aufmerksam geworden ist sie durch eine Veranstaltung ihres Betriebsrats, bei der verschiedene Leistungen vorgestellt wurden. Wir sprechen mit der 56-Jährigen über ihre Mutter, von der die erst zurückgekehrt ist. Seitdem ist es wie immer, wenn sie nicht mehr in ihrer Nähe sein kann: „Ich fahre mit einem schlechten Gewissen zurück und habe jedes Mal Angst, dass etwas passiert ist, wenn eine fremde Nummer auf dem Telefon erscheint. Meine Mutter ist schon mehrfach gestürzt und musste ins Krankenhaus, sodass mich der Notarzt anrief.“
Beratung für die Pflege erhalten Sie als Angehörige über unsere Sozialrufnummer unter 0800 0600 0800 (Montag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr und Samstag von 10 bis 16 Uhr) sowie per E-Mail an beratung@stiftungsfamilie.de
Die Distanz zu der 85-Jährigen versucht sie bestmöglich auszugleichen, neben den meist wöchentlichen Besuchen durch tägliche Anrufe. „Natürlich wäre es einfacher, wenn wir zusammenwohnen würden. Aber meine Mutter möchte noch nicht von zu Hause weg. Wenn ich zu ihr ziehe, lebe ich nur noch in meiner Rolle als Tochter, das wäre auch nicht gut.“ Zudem lebt die leidenschaftliche Wanderin in einer Partnerschaft, die durch die Pflege aber an zweite Stelle tritt. „Mein Partner hat großes Verständnis für die Situation. Dennoch ist es für uns beide nicht immer leicht, wenn die Beziehung hintenansteht, weil meine Mutter im Zweifelsfall natürlich vorgeht.“
Um einmal Zeit für sich zu haben, hat die gelernte Kauffrau die Auszeit der Stiftungsfamilie für pflegende Angehörige in Bad Tölz genutzt: „Manchmal komme ich einfach nicht hinterher, alle Dinge aus der Ferne zu erledigen. Die Auszeit in Bad Tölz war für mich daher wie eine Kur. Ich war total entspannt nach der Woche, konnte bei der Pflegeschulung vieles mitnehmen und habe noch immer Kontakt zu einem Paar, mit dem ich mich toll austauschen konnte. Ich möchte Menschen in ähnlicher Situation dazu ermutigen, sich die paar Tage für diese Auszeit zu nehmen.“
*Name und Wohnort geändert. Foto: istockphoto.com